natura morta - 05.03. bis 17.04.2014

  “natura morta”  

Berlin | Astrid Bathe | 05. März, 19:00 Uhr |Treffpunkt:

EICHBLATT GALLERY | Zur Eröffnung spricht Dr. Martin Steffens

  

 

”fruits 06” | Tondo 100 cm | Öl auf Leinwand | Astrid Bathe | 2012

 

Von Mittwoch, den 05. März bis Donnerstag, den 17. April 2014 präsentieren wir Ihnen Werke der Berliner Malerin

Astrid Bathe.

Die großformatigen Ölgemälde der Berliner Künstlerin Astrid Bathe sind eine unkonventionelle Antwort auf das barocke Stillleben.
Unter dem Ausstellungstitel “Natura Morta” offenbart die Meisterschülerin in der EICHBLATT GALLERY vom 06. März bis 17. April 2014 ganz eigene Gesetzmäßigkeiten dieser Gattung. Exotische Früchte, wie Melonen, Ananas, Weintrauben, Drachenfrüchte und Granatäpfel sind dynamisch aneinander drapiert, während sich über dem Arrangement mit energischem Duktus pastose Farbspuren entlang ziehen. Die intensive Leuchtkraft der Früchte auf dunklem Hintergrund, bei denen präzise Technik und abstrakte Gestikulationen im kraftvollen Wechselspiel aufeinanderprallen, entfacht beim Betrachten einen puren Farbrausch der Sinne.
Das Stillleben wird lebendig.
Aufgrund der expressiven Komposition der Früchte, der Offenbarung von rotem Fruchtfleisch und der Explosion von Fruchtsäften wird ein neues Sinnbild der herauf provoziert. So sind die Werke von Astrid Bathe womöglich eine Anspielung auf den pompösen und erotisch ausschweifenden Lebensstil des Barocks. “Ihre Werke strahlen Lust an der Malerei und eine sehr große Energie aus. Es ist mitunter wie ein symphonisches Bilderrauschen ohne Anfang und Ende.” Meisterlehrer Andreas Amrhein, Akademie für Malerei) 

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Natura Morta – Stillleben von Astrid Bathe - Eröffnungsrede von Dr. Martin Steffens

"Die Gattung des Stilllebens hatte im 16. und 17. Jahrhundert eine besondere Blüte. Gerade in den Niederlanden haben sich (groß)bürgerliche und adelige Haushalte an der Wiedergabe meist kostbarer Arrangements ergötzt, die einerseits Statussymbol, andererseits dekorativen Raumschmuck darstellten. In der Regel überaus wertvolle Gefäße, Gläser und Textilien konkurrierten mit exotischen oder seltenen Naturalien um den Schauwert täuschend nachgebildeter Stofflichkeit und artifizieller Komposition. Der lustvoll schwelgend präsentierten Sinnes- und avisierten Gaumenfreude wurde häufig der Wermutstropfen der Vergänglichkeit (in Form eines unschuldigen Insekts bis hin zum knochigen Totenschädel) beigesellt und so moralischen Anforderungen an die Kunst – pro forma – Genüge getan.

Astrid Bathe widmet sich im 21. Jahrhundert der traditionsreichen Gattung, wenn auch unter deutlich gewandelten Vorzeichen. Ihr Sujet sind tropische oder zumindest südländische Früchte mit schwellenden Formen und attraktiver Struktur und Farbigkeit. In Zeiten des effizient organisierten, globalen Handels haben sich die einstigen Statussymbole (Zitrusfrüchte, Melonen oder Trauben) zu allzu billig produzierten Massenkonsumgütern entwickelt. Nicht mehr das Exklusive, unerreichbar Seltene macht die Attraktion der dargestellten Früchte aus, sondern der Schauwert, die verlockende Gestalt, die sich in den Gemälden von Astrid Bathe in betörenden Spiegelungen ergehen. Doch auch die Geschichte der Malerei hat sich seit dem Goldenen Zeitalter niederländischer Kunst gravierend verändert. Nicht mehr die Mimesis, der Versuch einer täuschenden Naturwiedergabe, ist das Ziel der Künstlerin. Sie kombiniert eine naturalistische Wiedergabe mit diskontinuierlichen Räumen und bewusst störenden Elementen. So vereint sie mit feinem Pinselstrich gemalte Passagen mit gestisch aufgetragenen, pastosen Strukturen, die teils aus der Tube gezeichnet, geschüttet oder gar geworfen aufgetragen sowie gespritzt werden. Hier dominiert die Dynamik rauschhafter, kaum kontrollierbarer Gestaltung.

Die Farbwertigkeit tendiert ins Dunkelbunte, auch wenn schwarze Ölfarbe nur als Ausnahme – und dann als  struktureller Akzent – verwendet wird. Aus gemischten Farben entsteht gleichwohl ein nächtlich anmutender Bildraum, wobei die massiven, im Metall sich spiegelnden Formen durch das Fehlen ausgesprochener Schatten eine paradoxe, schwebende Leichtigkeit erhalten. Deutlich erkennbare und meist in suggestiver Wiedergabe gezeigte Früchte stehen im Widerspruch zur zweiten, von der realistischen Wiedergabe losgelösten Ebene, die einzelne Passagen geradezu überschreibt und auslöscht. Mit expressiver Gestik wird hier die Illusion eines jeden gegenständlichen Gemäldes thematisiert, ad absurdum geführt und um eine zusätzliche Wahrnehmungsebene erweitert. Gerade in den Tondi, also ihren runden Formaten, erreicht Astrid Bathe eine Ausgewogenheit von erkennbarer Form und abstrakter Überlagerung, die auch kompositorisch eine glückliche, wenn auch widerständige Harmonie ergibt.

Nur zuweilen tauchen in den Gemälden von Astrid Bathe Motive auf, die einem klassischen Vanitasbegriff Rechnung tragen. In dem mit Isenheimer Altar" betitelten Gemälde ist die rechte Hand des von Matthias Grünewald gemalten Gekreuzigten wiedergegeben und mit einer pastosen Spur von Ölfarbe kombiniert, die wie eine lodernde Flamme der im Todeskampf verkrampften Hand zu entspringen scheint. Auch in anderen Gemälden scheinen Flammen oder kosmische Lichter auf und treten in Konkurrenz zum Abbild uns vertrauter Nahrungsmittel. Ohne die in der Regel deutlichen Verweise auf eine Endlichkeit irdischen Seins konfrontieren die häufig großen Formate den Betrachter mit einer verstörenden Bildmacht. Bilden vorwiegend Früchte das Sujet der Stillleben, so ist das Thema der Gemälde im eigentlichen Sinne auch die hoch emotionalisierte Malerei, die über die Abbildfunktion historischer Vorbilder weit hinausgeht."

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