Die Gedanken so frei 14.06. bis 19.07.2013

 

Sabrina Kratz, Berlin - Malerei   und  Kalle Mustonen, Finnland - Skulptur

 

Sabrina Kratz - Was vom Tage übrig blieb | 80 x 120 cm | Acryl auf Leinwand | 2011

 

 

Vernissage:  Freitag, den 14. Juni 2013  um 18:00 Uhr

 

Begrüßung: Tanja Paskalew

Es spricht Kerstin Schoer

 

Ausstellung: 14. Juni bis 19. Juli 2013

 

Kalle Mustonen | the strucure of the mind 

 
   
   

Text zur Vernissage der Ausstellung „Die Gedanken sind so frei“

mit Arbeiten von Sabrina Kratz und Kalle Mustonen

von Kerstin Schoer

 

Diese Ausstellung setzt Kunstwerke von zwei ganz unterschiedlichen KünstlerInnen (von Sabrina Kratz und Kalle Mustonen), die zudem noch in unterschiedlichen Medien (Malerei und Skulptur) geschaffen wurden, in Beziehung zueinander: Sabrina Kratz`: Acryl-Malerei mit dem Titel „Was vom Tage übrig blieb“ und Kalle Mustonens: (Holz-)Skulptur „The structure of the Mind“. Was die beiden Kunstwerke miteinander verbindet, ist eine Motivverwandtschaft. Beide Künstler kreieren, jeweils im ihnen eigenen Medium, ein Haus, das aus einem Kopf herauswächst, eine Imagination, die einer surrealistischen Traumlogik folgt. Die für unsere Orientierung im Alltag so relevante Trennung von Innenraum (als einem Raum der Fantasie, der Emotionen und innerer Konflikte) und Außenraum (als Raum des Handelns, der Interaktion mit Anderen) ist hier aufgehoben. In Mustonens Skulptur entspringt das hölzerne Block-Haus einem (Toten-)Schädel; in dem Acryl-Bild von Sabrina Kratz bricht ein Landhaus aus dem Hinterkopf einer jungen Frau hervor.

Der erste Eindruck beim Betrachten des Bildes mit dem Titel „Was vom Tage übrig blieb“, ist der einer ländlichen Idylle. Zu sehen ist ein freistehendes Anwesen in ländlicher Umgebung, ein mehrstöckiges Wohnhaus mit Wirtschaftsgebäuden und Kühen. Überblendet wird diese Ansicht von der großflächigen Darstellung eines Frauenportraits im Profil. Die junge Frau hält ihren Kopf leicht nach unten geneigt, ihre Augen sind halb geschlossen, sie wirkt wie in Gedanken versunken. Der Bildtitel bekräftigt die friedvolle Stimmung.

Konterkariert wird dieser harmonische Eindruck aber von der im Bild dargestellten Landstraße, die den Bildraum als waagerechte Linie durchzieht und dabei den Kopf der jungen Frau perforiert. Irritierend wirken aber auch die ondulierten Haarsträhnen, die das Landhaus wie lodernde Flammen umzüngeln, sowie das helle Gelb des Himmels und des Vordergrunds, das sich gleichfalls auf der Kleidung der Portraitierten wiederfindet. Wird hier ein Tagtraum, eine Imagination einer Bildfigur oder ein innerer Konflikt visualisiert?

An diesem Bild lassen sich mehrere Besonderheiten erkennen, die für Sabrina Kratz` künstlerische Arbeiten charakteristisch sind. Ihre Bilder sind narrativ, aber sie erzählen keine in sich abgeschlossenen Geschichten. Vielmehr laden sie ihre BetrachterInnen ein, eigene Imaginationen zu entwickeln, wohlmöglich, gleich mehrere Varianten auszuspinnen.

Ihre häufig Collage-artig angelegten Bildkompositionen mit mitunter mehreren sich überlagernden und ineinander verschachtelten Bildebenen evozieren vielfältige Assoziationen, rufen oft dramatische Ereignisse und Situationen ins Bewusstsein, entziehen sich aber einer eindeutigen Interpretation.

Inspirieren lässt sich die Künstlerin gerne von vorgefundenen Bildern aus der Kunstgeschichte, von literarischen Texten und von Filmen. Diese von ihr in die eigene Bildwelt integrierten Materialien eröffnen ein dichtes Netz von möglichen Bezügen und Referenzen. So zitiert der diesem Bild zugeordnete Titel („Was vom Tage übrig blieb“) den Titel eines Romans (“The Remains of the Day“ des Schriftstellers Kazuo Ishiguro, erschienen 1989). Für das großformatig angelegte Portrait im Profil wählte Sabrina Kratz als Vorlage ein Still bzw. ein Einzelbild mit der Schauspielerin Keira Knightly aus dem Spielfilm „Abbitte“, einer Verfilmung des gleichnamigen Romans (Regie: Joe Wright).

Mit dem Motiv des freistehenden Hauses bezieht sich Sabrina Kratz auf ein Gemälde von Edward Hopper („American Landscape“). Dieser amerikanische Künstler thematisierte in zahlreichen Gemälden menschliche Vereinsamung und Sprachlosigkeit, Aspekte des modernen Lebens, denen auch in Joe Wrights Spielfilm „Abbitte“ eine große Bedeutung zukommt.

Das von Sabrina Kratz zunächst kopierte Motiv wurde im weiteren Entstehungsprozess des Bildes übermalt. Nun verschmilzt es mit zeichnerischen Bild-Elementen und mit dem Frauenportrait. Wangenpartien und Hinterkopf der Portraitierten gestaltete die Künstlerin transparent für tiefer angelegte Bildebenen. Aufgrund des Ineinander-Übergehens der Bildebenen entsteht der Eindruck, das Haus dränge sich aus dem Hinterkopf in die Außenwelt hervor.

Das in dieser künstlerischen Arbeit imaginierte Verhältnis von Innen- und Außenwelt korrespondiert offensichtlich nicht mit der gewohnten Alltagwahrnehmung. Ein Blick auf die Größenverhältnisse der dargestellten Motive wird dies bestätigen.

Eine Umkehrung des Motivs, das es ermöglicht in dieser Ausstellung die beiden Künstler in Beziehung zueinander zu setzen, finden Sie in einer anderen Arbeit mit dem Titel „Allein auf weiter Flur“. Sie können sich dieses Bild im mittleren Raum ansehen. Hier lässt die Künstlerin einen riesigen Frauenkopf aus einem vergleichsweise winzig erscheinenden Dachstuhl hervorbrechen.

Auch dieses Bild wirft die Frage nach dem Verhältnis von Innen- und Außenwelt auf. Setzt sich die dargestellte Figur mit Vehemenz über die ihr seitens ihrer Umgebung auferlegten Schranken und Grenzen hinweg? Überwindet sie die Enge ihres sozialen Umfeldes? Der entschlossen wirkende Blick in eine den Betrachterinnen unbekannte Ferne spricht für diese Interpretation.

Sabrina Kratz konzipiert ihre Bilder oftmals als Serien. Zu einer Serie aus den Jahren 2011, aus der Sie nun bereits „Was vom Tage übrig blieb“ kennen, gehört auch eine Arbeit mit dem Titel „Die Gedanken so frei“. Dieser Titel wurde für diese Ausstellung als Motto gewählt. Für „Die Gedanken so frei“ kombinierte die Künstlerin abermals ein nach einer filmischen Bild-Vorlage mit der Schauspielerin Keira Knightly (aus dem Film „Abbitte) entstandenes Portrait mit Bildmotiven aus einem Gemälde von Edward Hopper, gemeint ist das Bild „Hotel Room“. Mehrere ineinander verschränkte und zu einem Gesamtbild verdichtete Bildebenen geben das Portrait einer jungen Frau im Halbprofil, die Umrisszeichnung einer in einer Wartehaltung verharrenden weiblichen Figur und den Innenraum eines Hotels mit Reisegepäck zu sehen. Die oberste Bildebene des Portraits erweist sich auch in dieser Darstellung als transparent für andere Ebenen der Malerei. Als BetrachterInnen können Sie durch das Gesicht hindurch auf Einrichtungsgegenstände der Hotelhalle blicken.

Linear angelegte zeichnerische Bildelemente alternieren mit großflächig gemalten Partien des Portraits sowie mit einem Ausschnitt eines monochromen Bild-Hintergrundes und beleben die Bildkomposition.

Immer wieder greift Sabrina Kratz auf Bildvorlagen aus Spielfilmen zurück. Was fasziniert sie als Malerin an diesem Medium? Die Suggestivkraft der bewegten Bilder?

Sicherlich – eine Faszination für das jeweils andere Medium scheinen viele KünstlerInnen und FilmemacherInnen zu teilen. Manche Regisseure/Filmemacher haben durch die Malerei die Expressivität der Farben für sich entdeckt, andere entwickeln ganze Filme aus einem Einzelbild. Und umgekehrt ist es für bildende KünstlerInnen keine ungewöhnliche Praxis, Standbilder oder Fotos als Ausgangsmaterial für ihre Malerei zu verwenden.

Filme bestehen bekanntlich aus einer großen Anzahl von Einzelbildern und Sequenzen, deren Übergänge und Schnitte von den ZuschauerInnen aufgrund einer hohen Geschwindigkeit bei der Bildwiedergabe kaum wahrgenommen werden. Dieser Umstand verleiht dem Medium Film die Möglichkeit, die Illusion einer filmischen Realität zu erzeugen, das Publikum in eine andere Welt eintauchen zu lassen. Andererseits „besetzt“ oder behindert der Film die Imaginationskraft der ZuschauerInnen. Zwischen zwei filmischen Bildern bleibt kaum Platz für eigene Imaginationen.

Sabrina Kratz versteht es, in ihren Bildkompositionen durch das Collagieren von Bildmotiven, durch das Sampling von Bildern aus unterschiedlichen Bild-Medien, durch die Überlagerung und Verschränkung von mehreren Bildebenen in einem Einzelbild, unterschiedliche Ansichten, Zeitebenen, Augenblicke und Momente einer Handlung, anders als im Spielfilm, in einem Bild zu vereinen, und sie den BetrachterInnen im Modus des Simultanen zur Anschauung zu bringen.

Das Auge des Betrachters/der Betrachterin springt zwischen den Bildelementen hin und her; das Gehirn versucht, sie in einen Zusammenhang zu bringen, eine Mini-Narration zu entwickeln. Was dem Film, insbesondere dem Spielfilm oft fehlt, der Freiraum für Imaginationen des Publikums, wird durch die Malerei von Sabrina Kratz geradezu kultiviert.

Es bleibt also die Frage: Was fasziniert die Malerin Sabrina Kratz am Film?

Sabrina Kratz ist eine leidenschaftliche Kinogängerin. Ihr Interesse gilt dem Kino der großen Gefühle, dem Melodrama. In diesem Film-Genre werden emotionale Konflikte thematisiert, die durch äußere Faktoren, aus Personenkonstellationen oder aus dem Innenleben einer Person motiviert sind. Immer wieder kreist die Handlung um unglückliche Liebe, Leidenschaften und die daraus resultierenden Katastrophen.

Und so geht es auch in den Bildern von Sabrina Kratz um melodramatische Augenblicke, um leidenschaftliche Emotionen, um Liebe und Sehnsucht, Verlust und Grübeln, Abschied und Wiedersehen, beispielsweise in der Serie „Wandlungen einer Ehe“ (2012), von der Sie mehrere Bilder im hinteren Raum finden können.

Der Film, der Sabrina Kratz zu dieser Serie anregte, ist ein Beziehungsdrama, eine Geschichte über Liebe und Eifersucht, Treue und Täuschungen, über Seitensprünge in der Ehe. Es handelt sich um „Last night“, - das Regiedebüt von Massy Tadjedin.

Es erübrigt sich eigentlich darauf hinzuweisen, dass Sabrina Kratz niemals beabsichtigt, einen Film mit den Mitteln der Malerei nachzuerzählen. Sie löst die von ihr ausgewählten Film-Motive aus dem Zusammenhang der filmischen Handlung heraus, um sie in einen neuen Kontext zu stellen.

Zumeist handelt es sich dabei um Nahaufnahmen der Protagonistin. Alle im Film durch die visuelle Gestaltung des Handlungsraums präsenten Hintergrundinformationen werden bei diesem Verfahren gelöscht. Das Bild-Material wird in Beziehung zu neuen räumlichen Situationen gesetzt und partiell übermalt. Als Vorlage für die neuen Settings verwendete Sabrina Kratz für ihre Serie „Wandlungen einer Ehe“ Aufnahmen des Fotografen Fred Herzog, die in den 70-er und 80-er Jahren in Kanada, in Vancouver entstanden.

Bei der Auswahl der Film-Motive  entscheidet sich die Künstlerin zumeist für Elemente aus dramatisch aufgeladenen Szenen, oft spielt sich der Konflikt aber eher im Inneren der Person ab.

In „Wandlungen einer Ehe 3“ scheint es sich um einen Moment des Glücks zu handeln. Der mimische Ausdruck, der geöffnete Mund und das Strahlen der Augen weisen in diese Richtung.

Während das filmische Melodram mit Großaufnahmen der Gesichter, welche die Mimik der SchaupielerInnen fokussieren, mit Beleuchtungseffekten und mit stimmungsvollen musikalischen Untermalungen operiert, findet Sabrina Kratz, als bildende Künstlerin, Wege, Elemente des Melodramas in die Malerei zu „übersetzen“. Auch für sie sind der Ausdruck der Gesichter, die Sprache der Augen als Spiegel der Seele, ebenso wie die Gesten und Körperhaltungen von großer Bedeutung. Ihre im Stil der Pop-Art oft flächig aufgefassten Portraits, in denen wichtige Partien gezielt plastisch ausgearbeitet werden, füllen zumeist große Teile des jeweiligen Bildraums aus. Infolge der Arbeitsweise der Künstlerin ist ihren Bildern ein filmischer Blick eingeschrieben. Wir sehen ein Close-Up auf die Protagonistin einer dramatischen Szene. Das Anschneiden des Kopfes erinnert an entsprechende Kadrierungs-Verfahren im Film. Wie im Film wird damit die Distanz der BetrachterInnen zum Geschehen aufgehoben.

Es lassen sich noch weitere Parallelen zwischen der Filmsprache im Melodram und der Malerei von Sabrina Kratz erkennen. Bekanntermaßen spiegelt im melodramatischen Film die Ausstattung der Räume oft den Konflikt der Filmfiguren oder ihre Unterdrückung durch das Umfeld. Eine Einengung des physischen Raums entspricht oftmals einer Begrenzung des Handlungsspielraums der Protagonisten.

Für „Wandlungen einer Ehe 3“ platzierte Sabrina Kratz das Gesicht der jungen Frau auf einem nach einer fotografischen Vorlage von Fred Herzog gemalten Bild-Hintergrund.

Bei diesem Foto handelt es sich um die Aufnahme einer Straße in Vancouver aus dem Jahr 1967 („Alexander Street“). Weil das perspektivisch angelegte Hintergrundbild von der Künstlerin um 45° gedreht wurde, entsteht der Eindruck, die portraitierte Figur habe eigentlich keinen physischen Handlungsraum. Ihre rechte Hand, die ein Telefon hält, bricht in dieser räumlichen Enge aus der Fassade eines mehrstöckigen Hauses hervor. Das Verhältnis von Bildhintergrund und Figur spiegelt das innere Drama der Person wieder. Aufgrund eines Telefongesprächs gerät alles in Bewegung. Die Rotation der Hintergrunds-Ebene korrespondiert mit dem emotionalen Strudel der Protagonistin. Deren Gesicht erfährt eine Verzerrung durch Elemente einer Werbetafel aus der Hintergrundebene. Das Durchscheinen der Produktwerbung in den Wangenpartien wirkt den Plastizität suggerierenden Darstellungsmitteln der Ebene des Portraits entgegen. Infolgedessen wirkt das Gesicht wie seitlich zusammengedrückt, ein Eindruck, der die Dynamik des Augenblicks verstärkt und eine Spannung erzeugt, die sich im mimischen Ausdruck, im geöffneten Mund und in der Sprache der Augen entlädt.

Für ihre neueste Bilderserie, aus dem Jahr 2013, zu der die Arbeiten mit den Titeln „Fluchtgedanken“, „Lärmbelästigung“ und „nun-schlaf-auch-du“ gehören, (alle drei sind in dieser Ausstellung im ersten Raum zu sehen), modifizierte Sabrina Kratz ihre bisher praktizierten künstlerischen Verfahren. In diese Serie gingen Motive nicht aus einem einzigen, sondern gleich aus drei Filmen ein. „Barbara“ ein Spielfilm von Christian Petzold (aus dem Jahr 2012), indem Nina Hoss die Titelrolle spielt, diente ihr als Bildquelle für die weibliche Figur. Filmstills mit Ulrich Mühe in der Rolle des Stasi-Hauptmanns Gerd Wiesler aus dem Film „Das Leben der Anderen“ (Regie: Florian Henckel von Donnersmarck, 2006) gaben die Vorlage für eine malerische Gestaltung der männlichen Figur in „Lärmbelästigung“ ab. Die geisterhafte Gestalt in der Bildmitte von „nun-schlaf-auch-du“ verdankt ihren Platz in Sabrina Kratz` Bilduniversum einer Sequenz aus der zum Kultfilm avancierten filmischen Satire „Good Bye, Lenin!“ von Wolfgang Becker (2003). Gleiches gilt für das in der rechten Bildhälfte an prominenter Stelle platzierte Objekt. Wenn Sie den Film gesehen haben, werden Sie vermutlich sofort realisieren, dass es sich dabei um eine Referenz auf eine in die filmische Handlung eingebundene Papierrakete mit dem Emblem der DDR und einer gerahmten Darstellung einer Ikone des DDR-Kinderfernsehens, des Sandmännchens, handelt.

Als Serie erkennbar bleiben diese Arbeiten durch das Prinzip der nicht-identischen Wiederholung bestimmter Elemente. So lässt sich die weibliche Figur auf allen drei Bildern identifizieren. Korrespondenzen gibt es auch, was die Farbgebung anbetrifft. Komplementärkontraste von Rot- und Grün-Tönen dominieren in dieser Serie. Die Bilder „Lärmbelästigung“ und „nun-schlaf-auch-du“ sind außerdem durch eine große Ähnlichkeit der Farbstimmungen aufeinander bezogen. Diese beiden Arbeiten zeichnen sich noch durch eine weitere Besonderheit aus: die weiblichen Figuren bilden eine farbliche Einheit mit dem zunächst monochrom angelegten Hintergrund. Sie wurden von Sabrina Kratz mit mehreren Lasuren aus dem Hintergrund herausgearbeitet. Anders als in der Arbeit „Fluchtgedanken“ und den bisher vorgestellten Bildern, die aus einer Beschäftigung mit Filmen hervorgingen, gibt es in „Lärmbelästigung“ und „nun-schlaf-auch-du“ zwar Überschneidungen der dargestellten Figuren und Objekte, aber keine Transparenzen auf tiefer gelegene Bildebenen.

Als BetrachterInnen von „Lärmbelästigung“ werden wir mit zwei frontal zum Publikum ausgerichteten Bildfiguren und deren Blicken konfrontiert. Die männliche Figur wirkt aufgrund ihrer Gesichtszüge sehr verhärtet und scheint ihr Gegenüber mit einem starren Blick fixieren zu wollen. Die Blickachse der Frau ist leicht nach oben ausgerichtet, was zur Folge hat, dass ihr Blick sich nicht mit Unserem trifft.

Obgleich der Film „Das Leben der Anderen“, an den Sie sich bei der Betrachtung dieses Bildes  möglicherweise aufgrund des markanten Gesichts eines Darstellers erinnern (es handelt sich dabei um den Darsteller der Figur des Stasi-Hauptmanns Gerd Wiesler), - obgleich dieser Film Charakteristika des Melodramas aufweist, geht es in „Lärmbelästigung“ nicht um eine Paarbeziehung, sondern um einen inneren Konflikt einer Person. Beide auf diesem Bild zu sehenden Figuren der Darstellung repräsentieren unterschiedliche Facetten einer komplexen Persönlichkeit. Während die männliche Figur als Person mit diabolischen Zügen oder als Verkörperung des Prinzips des Bösen gesehen werden kann, personifiziert die im Bildraum hinter ihm stehende Frau das Gewissen oder das Prinzip des Guten. Beide Aspekte werden in dieser Darstellung zwar auf zwei verschiedene Gestalten aufgespalten und in komplementären Farben ins Bild gesetzt, sind aber zugleich als aufeinander bezogen und einander zugehörig ins Bild gesetzt.

Auch in den beiden anderen Arbeiten dieser Serie, die Sie sich heute Abend anschauen können, geht es um Konflikte und Reflektionen, die im Inneren einer Person ausgetragen werden.

©Kerstin Schoer

 

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